Hangry? Darum wirst du bei Hunger wütend

Bist du gereizter, wenn du lange nichts gegessen hast und dein Magen knurrt? Tut es dir leid, wie du mit deiner Familie gesprochen hast, sobald du dann etwas gegessen hast und du wieder ganz du selbst sein kannst? Dann bist du damit nicht alleine. Dieses Phänomen beschreibt man als ‘hangry‘ sein – eine Mischung aus ‚hungry‘ und ‚angry‘, also hungrig und wütend. 

Nicht jeder Mensch wird hangry, doch es ist weit genug verbreitet, sonst würden schließlich auch Unternehmen wie Snickers nicht in ihren Werbeslogans darauf anspielen. Auch kleine Studien zeigen, dass Wut und Hunger oft zusammen auftreten oder dieselbe Situation hungrig als stressiger empfunden wird und gereizter reagiert wird als im satten Zustand. 

Doch woher kommt dieser Zusammenhang? Einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es noch nicht. Doch es gibt mehrere Theorien.

Die gängigste Theorie dreht sich um den Blutzuckerspiegel und darum, dass dem Gehirn der Treibstoff, der Zucker Glucose, ausgeht und alles daran setzt, schnellstmöglich Nachschub zu bekommen. Wenn du lange Zeit nichts isst, sinkt dein Blutzuckerspiegel. Das führt zur Ausschüttung verschiedener Hormone wie Adrenalin und Cortisol, die der Blutzuckerspiegelregulation dienen. Adrenalin lässt den Blutzuckerspiegel wieder ansteigen, indem es die Glykogenspeicher in der Leber und den Muskeln anzapft. Cortisol regt die Neubildung des Zuckermoleküls Glucose an. 

Gleichzeitig werden dir diese beiden Hormone sicher auch als Stresshormone bekannt sein, die in ‚fight – or flight‘-Situationen ausgeschüttet werden. Da liegt es durchaus nahe, auch in Situationen, in denen kein Kampf erforderlich ist, gereizter oder wütender zu reagieren, als es notwendig wäre.  

Hinzu kommt noch ein Neurotransmitter namens Neuropeptid Y, der bei Hunger und niedrigem Blutzuckerspiegel ausgeschüttet wird. Dieser steigert deinen Appetit, kann aber auch aggressiver machen. 

Diese Theorie ist jedoch kein wissenschaftlicher Konsens. Andere Wissenschaftler bezweifeln, dass das Gehirn so schnell um seine Zuckerversorgung bangt. In Fastenphasen kommt es auch lange ohne diesen aus und stellt auf die Verstoffwechselung von sogenannten Ketonkörpern um. Es könnte also auch ein psychologischer Hintergrund vorliegen. Dieser These nach würdest du Hunger nicht als solchen direkt immer wahrnehmen, sondern erst einmal nur bemerken, dass es dir nicht besonders gut geht, was sich dann in schlechter Laune äußert.

Letztendlich wird auch nicht jeder Mensch gleichermaßen hangry. Stimmt die Blutzuckertheorie, könnte es daran liegen, dass Menschen individuelle Blutzuckerschwankungen haben, wie sie z. B. auch individuell auf manche Lebensmittel reagieren. So können diese bei manchen stärker ins Gewicht fallen und auch stärker auf die Stimmung schlagen. Andererseits haben Menschen auch einen unterschiedlich starken Spürsinn für die körpereigenen Signale und lassen es möglicherweise dadurch erst gar nicht soweit kommen, dass sie hangry werden. 

Wenn du dazu neigst, besonders hangry zu werden und dich davor schützen möchtest, kannst du mit regelmäßigen sättigenden, ballaststoffreichen und proteinreichen Mahlzeiten deinen Blutzuckerspiegel gleichmäßig halten. Meal Prepping und gesunde Snacks wie ein paar Nüsse können dann in Situationen, in denen du nicht so schnell an ein hilfreiches Essen gelangst, Abhilfe schaffen. Denn besonders zuckerreiche Snacks wie ein Schokoriegel lassen deinen Blutzuckerspiegel nur schnell ansteigen und danach wieder rapide abfallen, wodurch dir nur kurzzeitig geholfen wäre.