Helfen warme oder kalte Getränke bei Hitze besser?
Sowohl für heiße als auch für kalte Getränke gibt es gute Argumente als Erfrischung der Wahl. Doch worauf kommt es wirklich an?
Der erste natürliche Impuls ist das kalte Erfrischungsgetränk. Doch dazu kommt eine nüchterne Bilanz: Trinkst du ein Glas eiskaltes Wasser, senkt das deine Körpertemperatur nur minimal – etwa um 0,01 °C. Das liegt daran, dass dein Körper aktiv gegenreguliert. Die aufgenommene Kälte wird schnell wieder ausgeglichen, oft sogar mit leicht erhöhter Stoffwechselaktivität. Physiologisch bringt dir der eiskalte Drink also überraschend wenig.
Auch Eis oder andere kalte Speisen wirken im Mund-Rachen-Bereich nur sehr kurz kühlend. Solange bis dein Körper sie wieder auf Betriebstemperatur bringen muss. Bei empfindlichen Menschen können zu kalte Speisen sogar verschiedene Probleme verursachen. Dazu gehören Kopfschmerzen, da sich die Blutgefäße im Verdauungstrakt reflexartig zusammenziehen oder Probleme im Magen-Darm-Trakt, wie Bauchschmerzen oder Durchfall, weil der Magen sich zusammenziehen und die Magenentleerung sich verlangsamen kann.
Aber Moment – kalte Getränke helfen doch manchmal? Derzeitige Studien sprechen dafür, dass zum Beispiel beim Sport oder bei starker körperlicher Belastung kalte Getränke tatsächlich helfen können. Denn sie sorgen dafür, dass sich das subjektive Hitzeempfinden reduziert. Du fühlst dich frischer, hältst länger durch und dein Körper wird punktuell entlastet. Vor dem Sport oder währenddessen kann ein kaltes Getränk also sehr wohl eine sinnvolle Kühlstrategie sein.
Der oft zitierte Rat, im Sommer lieber warmen Tee zu trinken, hat ebenfalls seine Berechtigung. Allerdings unter ganz bestimmten Bedingungen. Der Sinn dahinter ist, dass warme Getränke die Schweißproduktion anregen, was wiederum deine körpereigene Verdunstungskühlung aktiviert. Wenn aber die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist oder du ohnehin schon stark schwitzt, funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr optimal. In solchen Fällen bringt die zusätzliche Wärme eher Belastung als Erleichterung. Merke: insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze kann ein kalter Drink die angenehmere Wahl sein.
Delirium bis hin zu einem Schockzustand. Um dich vor Dehydration zu schützen, spielt die Temperatur deiner Getränke nur eine untergeordnete Rolle. Ob du also zum eisgekühlten Minzwasser oder zum zimmerwarmen Sprudelwasser greifst – entscheidend ist, dass du überhaupt genügend trinkst. Dein individueller Flüssigkeitsbedarf pro Tag hängt von verschiedenen Faktoren wie z. B. Alter, Geschlecht oder Aktivität ab, aber eine gute Faustregel sind 35 ml pro Kilogramm Körpergewicht bei Normalgewicht. Der Mindesttrinkbedarf eines Erwachsenen liegt bei 1,5 L am Tag. Und ja Kaffee zählt zu deiner Flüssigkeitsaufnahme hinzu, im Gegensatz zu Alkohol. Dieser entzieht dir Wasser. Reiche also an einem heißen Sommertag den nichtalkoholischen Getränken die Hand, egal ob warm oder kalt. Dein Körper wird es dir danken.
Mehr zu diesem und ähnlichen Themen: