Wir betonen oft, wie wichtig es für eine gesunde Ernährung ist, deinen Fleischkonsum zu reduzieren. Dafür gibt es auch krankheitsbezogen genügend Gründe, wie die entzündungsfördernde Arachidonsäure oder das steigende Krebsrisiko. Doch die Massentierhaltung birgt noch andere Gefahren für Mensch und Umwelt. Über diese sprechen wir heute in unserem Artikel der Kategorie ‚Big Topic‘.

Zoonosenförderer Massentierhaltung

Schweinegrippe, BSE, Tollwut, HIV, Ebola, Vogelgrippe und nicht zuletzt der SARS-CoV-2 – all das sind vom Tier auf den Menschen übertragene Krankheiten, sogenannte Zoonosen. Das bedeutet, Viren, die sonst nur Tiere hätten erkranken lassen, greifen in diesen Fällen auch auf den Menschen über. Die Zahl der Zoonosen könnte in den nächsten Jahren rapide ansteigen. Denn in vielen Hunderttausend Viren schlummert das Potential ebenfalls auf den Menschen überzugehen. [1]

Das generelle Risiko für Übertragungen von Krankheiten zwischen Mensch und Tier steigt mit der engeren Nähe zwischen Wildtieren und dem Menschen. Dies geschieht beispielsweise über die Verkleinerung des Lebensraums verschiedener Wildtiere durch Rodung des Regenwaldes für den Anbau von Soja, welches in der Massentierhaltung verfüttert wird. Werden die gerodeten Wälder stattdessen als Weideflächen genutzt, kommen so Zucht- und Wildtiere nun miteinander in direkten Kontakt.

Doch auch die Menge an gleichem Wirtstier mit genetisch immer größerer Ähnlichkeit in der Massentierhaltung trägt stark zur Befeuerung von Zoonosen bei und bietet Erregern die Möglichkeit, sich großflächig auszubreiten.

Die Abholzung des Regenwaldes für die Massentierhaltung schadet auf vielen Wegen. Durch Weideflächen nah am Lebensraum wilder Tiere, kommen die Tiere miteinander in Kontakt und können sich später auf den Menschen ausbreiten. Zoonosen entstehen.

Um dein persönliches Krankheitsrisiko zu minimieren, solltest du rohe, vom Tier stammende Lebensmittel gut kühlen und wenn du sie dann essen willst, ausreichend durchgaren. Außerdem solltest du sie anschließend nicht zu lange abkühlen lassen und auch nicht bei niedriger Temperatur auf dem Herd lange warm halten. Das würde sonst die Vermehrung von Krankheitserregern wieder erhöhen.

Um Kreuzkontaminationen zu vermeiden, solltest du für das Schneiden von rohem Fleisch ein Messer und ein Kunststoffbrett verwenden, die du danach nicht zum Schneiden von Obst oder Gemüse nutzt, sondern anschließend in der Spülmaschine heiß waschen lassen solltest. Genauso solltest du es vermeiden, gegarte oder gebratene Fleischstücke auf die bereits genutzten Bretter zu legen, wenn du diese in der Zwischenzeit nicht gründlich abgewaschen hast. Außerdem solltest du dir die Hände gründlich waschen, wenn du mit rohen Lebensmitteln gearbeitet hast. [2]

Frisch aus dem Kühlregal: Antibiotikaresistenzen

Wie schon erwähnt, breiten sich durch das enge Aufeinanderleben und der genetischen Ähnlichkeit der Tiere in der Massentierhaltung Infektionen untereinander rasant aus. Die Halter und Halterinnen haben meist gar keine andere Wahl, als Antibiotika zu geben, sowohl den kranken Tieren als auch den noch gesunden als Schutzmaßnahme. Doch das ist nur eine kurzzeitige Lösung des Problems.

Einerseits lagern sich Rückstände dieser Medikamente im Gewebe der Tiere ab und landen damit im Fleisch und den Eiern auf deinem Teller sowie in der Kuhmilch in deinem Glas. Zwar ist dein persönliches Risiko gering, solang die Obergrenzen der Rückstände eingehalten werden, doch nimmst du diese Rückstände zu dir, können sie toxisch wirken, Allergien auslösen oder sogar Krebs erzeugen. [3] Die Mengen an Antibiotikarückständen werden regelmäßig kontrolliert, sodass große Mengen selten geworden sind. Wenn diese aber gefunden werden, dann am häufigsten in Geflügel- und Schweinefleisch.

Andererseits haben wir als Menschheit nur eine begrenzte Anzahl an möglichen Antibiotika zur Verfügung. Die Erreger selbst haben hingegen die Fähigkeit, sich ständig neu anzupassen und weiterzuentwickeln und können so resistent gegen unsere bekannten Antibiotika werden. Der schlimmste Fall, der daraus resultieren kann, ist, dass sich so ein Keim so weit entwickelt, dass wir ihm keine Waffen entgegenzusetzen haben und ihm schutzlos ausgeliefert sind.

Klimawandel durch Massentierhaltung

Natürlich spielt schon die Rodung der Wälder für die Futtermittelproduktion eine große Rolle beim Voranschreiten des menschengemachten Klimawandels. Doch auch die Haltung sowie der Transport und schließlich die Schlachtung kosten eine Menge Energie und stoßen Treibhausgase aus. So sind gerade die Milchkühe aus der Massentierhaltung ein großer Faktor, da beim Wiederkäuen, dem Verdauungsprozess von Kühen, Methan entsteht, ein Treibhausgas. Genauso wie beim Ausbringen von Gülle und Mist als natürlicher Dünger auf die Felder für die Landwirtschaft. Insgesamt beträgt der Anteil der Massentierhaltung 66 % an den Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft in Deutschland. [4]

Laut einer Veröffentlichung des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) würde damit die Massentierhaltung bei gleichem Wachstum der Branche wie bisher bis 2050 80 % des  Treibhausgasbudgets der Erde verbrauchen und es unmöglich machen, das 1,5 °C-Ziel zu erreichen. Um den Temperaturanstieg auf nur 2,0 °C zu begrenzen, müssten Deutsche ihren Fleischkonsum auf 22 kg pro Jahr herunterschrauben und damit mehr als halbieren. [5] Dabei sank der Pro-Kopf-Verbrauch in den letzten Jahren bis 2021 bereits auf 55 kg pro Jahr und Kopf. [6]

Besonders die Rinderhaltung für Milch und Fleisch bedeutet eine Menge Methanaussto´ß.

Fazit

Aus all diesen Gründen schadet die Massentierhaltung uns als Menschen und dem Planeten, wobei sie natürlich in allererster Linie den Tieren schadet, die für unseren Fleischkonsum bzw. Konsum tierischer Lebensmittel unter katastrophalen Bedingungen leben und schließlich sterben müssen. Zusammenfassend lässt sich sagen, es wäre besser, unser aller Fleischkonsum einmal mehr zu überdenken und zu reduzieren. Setze auf pflanzliche Nährstoffe und Proteine. Wie du mehr davon in deinen Alltag einbauen kannst, zeigt dir die myFoodDoctor-App.

Quellen

[1] Carroll, Dennis; Daszak, Peter; Wolfe, Nathan D.; Gao, George F.; Morel, Carlos M.; Morzaria, Subhash et al. (2018): The Global Virome Project. In: Science (New York, N.Y.) 359 (6378), S. 872–874. DOI: 10.1126/science.aap7463.

[2] https://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_lebensmittelinfektionen_im_privathaushalt.pdf

[3] Chen, Jun; Ying, Guang-Guo; Deng, Wen-Jing (2019): Antibiotic Residues in Food: Extraction, Analysis, and Human Health Concerns. In: Journal of agricultural and food chemistry 67 (27), S. 7569–7586. DOI: 10.1021/acs.jafc.9b01334.

[4] https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#klimagase-aus-der-viehhaltung

[5] https://www.iatp.org/emissions-impossible

[6] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36573/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-fleisch-in-deutschland-seit-2000/

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