Laborfleisch, Kulturfleisch, Clean Meat, In-vitro-Fleisch, künstliches Fleisch… viele Namen, um ein und dasselbe zu beschreiben. Doch was kann dieses Fleisch? Wie weit ist die Entwicklung, ist es vielleicht sogar die Zukunft unserer Ernährung?
Wie entsteht Kulturfleisch?
Für die Herstellung des kultivierten Fleischs wird zwar kein Tier geschlachtet, dennoch wird zuerst ein Tier wie eine Kuh, Schwein oder Huhn benötigt, dem Stammzellen mittels einer Biopsie entnommen werden. Diese werden dann unter optimalen Wachstumsbedingungen in einem Bioreaktor vermehrt. Die heranwachsenden Zellen können dabei in verschiedene Strukturen gebracht werden. Dabei ist die von Hackfleisch einfacher zu erreichen als andere Strukturen, wie die von beispielsweise einem Steak. Dafür wird eine Art Gerüst aus tierischem Kollagen bereitgestellt, an dem die Zellen entlang wachsen.
Ist Laborfleisch echtes Fleisch? Ist Laborfleisch vegan?
Kultiviertes Fleisch wächst aus echten tierischen Zellen und ist somit auch echtes Fleisch. Ethisch ist das Fleisch aus der Petrischale besser zu vertreten als konventionelles Fleisch. Auch wenn das Tierleid bei der Herstellung des Laborfleisches minimiert wird, kann das Endprodukt nicht als vegan bezeichnet werden. Beim Veganismus werden sämtliche tierische Produkte in allen Lebenslagen vermieden. Die für das Ansetzen des ‘künstlichen’ Fleisches nötige Biopsie wird einem Tier entnommen, und auch in dem Nährmedium für die Zellen befindet sich für gewöhnlich fetales Kälberserum. Dieses wird aus dem Blut noch schlagender Kälberherzen gewonnen, nachdem das schwangere Muttertier getötet wurde. Anfangs wurden 50 Liter dieses Kälberserums pro Burgerpatty des kultivierten Fleischs benötigt. Somit ist die Herstellung nicht vegan. Es wird aber auch an dieser Stelle an Lösungen ohne dieses Kälberserum gearbeitet.

So könnte das Fleisch aus dem Bioreaktor im Laden aussehen.
Was sind die möglichen Vorteile von Laborfleisch?
Das im Labor gezüchtete Fleisch besteht ebenso wie ‘echtes’ aus Muskel- und Fettzellen und ähnelt somit dem herkömmlichen Fleisch ernährungsphysiologisch gesehen. Das bedeutet, es ist weder großartig gesünder noch ungesünder als dieses. So liefert es Protein und tierisches Eisen, aber in Form von rotem Fleisch enthält es auch die entzündungsförderliche Arachidonsäure. Es könnte jedoch vom Nährstoffprofil optimiert werden und so beispielsweise auch das Omega-3- zu Omega-6-Verhältnis verbessert werden.
Gesundheitlich würde es sich auch positiv auswirken, wenn in größerem Stil Laborfleisch genutzt werden würde und Tierbestände gesenkt werden könnten, da das Risiko für Antibiotikaresistenzen und Zoonosen begrenzt würde. Über dieses Problem kannst du im Artikel „Massentierhaltung – die Gefahr für Mensch und Umwelt” mehr erfahren.
Auch flächentechnisch könnte das Kulturfleisch einen großen Vorteil bringen. Zwar bräuchten die benötigten Reaktoren auch Platz, doch 90 % weniger als für die Flächen, die für den Futteranbau und Ställe der Massentierhaltung beansprucht werden.
Was den Energieverbrauch angeht, benötigen die Reaktoren etwa so viel Energie wie etwa die Produktion von Hühnerfleisch. Somit wäre sie beispielsweise im Vorteil gegenüber Rindfleisch, aber rein pflanzlichen Produkten unterlegen. Wenn jedoch ausschließlich erneuerbare Energien zur Herstellung verwendet würden, könnten 92 % der Treibhausgasemissionen gegenüber der jetzigen Tierhaltung gesenkt werden.
Wenn die Entwicklung von ‘Laborfleisch’ weit genug ist, könnte es also eine Menge Vorteile mit sich bringen.
Kann man in Deutschland Laborfleisch kaufen?
Bislang kannst du in Deutschland oder generell in der EU noch kein Fleisch aus der Petrischale kaufen. Als neuartiges Lebensmittel (‚Novel Food‘) muss dieses erst durch die Europäische Kommission zugelassen werden. Erste Zulassungsanträge sind bereits eingereicht. Doch bis es hierzulande auch preislich tragbare Fleischalternativen gibt, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.
Es gibt zwar einige Start Ups, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die sich mit der Herstellung und Entwicklung von kultiviertem Fleisch beschäftigen. Diese werden in Deutschland jedoch verhältnismäßig zu anderen Ländern finanziell wenig unterstützt.
Wenn eine Zulassung durch die Europäische Kommission erfolgt, ist noch unbekannt, ob diese unter dem Wort ‚Fleisch‘ verkauft werden dürfen. So wie die Bezeichnungen Veggie-Wurst oder -Schnitzel nach einem Beschluss des EU-Parlaments verboten werden sollten, könnte es auch hier die Bezeichnung des künstlichen Fleisches betreffen und die technologische Herkunft kenntlich gemacht werden.
Quellen
https://www.lebensmittelverband.de/de/lebensmittel/technologie/in-vitro-fleisch
https://gfieurope.org/de/laborfleisch-kultiviertes-fleisch/
https://www.transgen.de/lebensmittel/2700.fleisch-zellkultur-biotechnologie.html
zuletzt aufgerufen am 05.02.2026
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