Man könnte meinen Essstörungen seien schon äußerlich gut erkennbar, doch wie bei so vielen psychischen Erkrankungen ist das gar nicht der Fall, so auch bei der Bulimie. Was diese Erkrankung mit sich bringt, was die Ursachen und Auslöser sind und wie sie sich behandeln lässt, erfährst du in diesem Artikel.
Was ist Bulimie?
Bei den Essanfällen wird in kurzer Zeit eine hohe Menge Kalorien verspeist. In dieser Phase fühlen sich Betroffene wie fremdbestimmt und können sich selbst nicht stoppen. Kurz darauf treten oft starke Schuld- und Schamgefühle auf. Das ist zum einen der Grund, warum Betroffene die Krankheit verheimlichen. Zum anderen kann dies auch mitursächlich dafür sein, dass sie die aufgenommenen Kalorien so schnell wie möglich wieder loswerden wollen und sich somit zum Erbrechen bringen. Allgemein können aber sämtliche Maßnahmen ergriffen werden, die eine Gewichtszunahme verhindern sollen, wie etwa übermäßiger Sport, Fasten oder die Einnahme von Abführmitteln. Somit unterscheidet sich die Bulimia nervosa von der Anorexia nervosa vorrangig durch die Essanfälle. Aus einer Bulimie kann aber auch eine Anorexie entstehen. Denn auch hier drehen sich die Gedanken der Betroffenen stark um Essen, Gewicht und die Angst zuzunehmen.
Im Gegensatz zur Magersucht liegt das Körpergewicht bei Menschen mit Bulimie häufig jedoch im Normalbereich. Das trägt natürlich dazu bei, dass die Erkrankung für Außenstehende schwer erkennbar ist.
Für den oder die Betroffene macht sich die Erkrankung körperlich durchaus bemerkbar. Durch das häufige Erbrechen greift die Magensäure die Speiseröhre und den Zahnschmelz an. So kann es zu Zahnschäden, Halsschmerzen oder auch geschwollenen Speicheldrüsen kommen. Zusätzlich treten nicht selten Magen-Darm-Beschwerden, Kreislaufprobleme oder allgemeine Schwäche auf.
Im schlimmsten Fall können durch Abführmittel und Erbrechen Störungen im Elektrolythaushalt das Herz-Kreislauf-Systemen belasten. Dies kann lebensbedrohlich werden. Daher ist eine Behandlung dringend ratsam.

Typisch für die Krankheit sind Essanfälle ähnlich wie beim Binge Eating, jedoch mit anschließendem Erbrechen.
Wie wirkt sich Bulimie auf die Psyche aus?
Ähnlich wie bei der Magersucht spielt sich ein großer Teil der Erkrankung im Kopf ab. Wie erwähnt, kreisen die Gedanken ständig ums Essen, das eigene Gewicht und den Körper. Vor den Essanfällen steht häufig eine Phase innerer Anspannung oder negativer Gefühle wie Stress, Traurigkeit oder Leere. Der Essanfall selbst kann dann kurzfristig als entlastend erlebt werden, doch danach folgen meist Schuldgefühle und die Scham.
So entsteht ein Kreislauf, aus dem es für die Betroffenen schwer ist, auszubrechen. Häufig treten zusätzlich psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Zwangsstörungen auf, die sich gegenseitig verstärken können.
Was sind Ursachen und Auslöser für eine Bulimie?
Wie bei vielen psychischen Erkrankungen gibt es nicht die eine Ursache. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Eine gewisse genetische Veranlagung kann das Risiko erhöhen, ebenso bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus oder ein geringes Selbstwertgefühl. Auch das Bedürfnis nach Kontrolle spielt oft eine Rolle.
Gesellschaftliche Einflüsse wie der Druck, schlank sein zu müssen durch soziale Medien, insbesondere Instagram und TikTok, können zusätzlich dazu beitragen, dass Mädchen und junge Frauen mit ihrem Körper unzufrieden sind. Solche Umstände können also auch als ursächlich betrachtet werden. Auslöser hingegen sind konkrete Situationen oder Umstände, die dann zum Ausbruch der Erkrankung führen. Beispiele dafür sind Mobbing, Konflikte in der Familie, Trennungen oder andere einschneidende Veränderungen. In solchen Situationen kann dann das Essverhalten zu einer Strategie werden, um mit Gefühlen umzugehen.

Der Druck durch soziale Medien durch den andauernden Vergleich mit retuschierten Fotos kann zusammen mit einem Auslöser zu einer Bulimie führen.
Wie kann Betroffenen geholfen werden?
Wie nun ausdrücklich dargestellt, ist Bulimie eine ernstzunehmende Erkrankung, die als solche unbedingt behandelt werden muss. Da viele Betroffene jedoch ihre Erkrankung verheimlichen, wird sie oft erst spät erkannt. Dabei sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung umso besser, je früher ärztliche und therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird.
Die Behandlung besteht in erster Linie aus psychotherapeutischer Betreuung, häufig in Form einer Verhaltenstherapie. Dabei geht es darum, das Essverhalten zu stabilisieren und die zugrunde liegenden Probleme zu bearbeiten. Ergänzend dazu kann eine Ernährungsberatung Betroffenen helfen, wieder ein gesundes Verhältnis zum Essen herzustellen. Auch medizinische Unterstützung ist wichtig, um die körperlichen Folgen zu behandeln.
Der Weg zur Genesung ist oft lang und nicht immer geradlinig. Wie bei Süchten kann es bei dieser suchtähnlichen Erkrankung zu Rückfällen kommen. Doch der Umgang mit diesen wird in der Therapie ebenfalls thematisiert. Mit professioneller Hilfe und Unterstützung aus dem Umfeld ist es möglich, den Kreislauf der Essstörung zu durchbrechen und wieder ein gesundes Leben zu führen.